20.05.2001 18:31
"Eine gemeinsame Schreibstube"
Erlenbach
"Die Verwaltungsgemeinschaft Marktheidenfeld ist die "gemeinsame
Schreibstube" der angeschlossenen Mitgliedsgemeinden. Ihr Personal arbeitet
hervorragend und die Behörde gehört zu den kostengünstigsten in ganz Bayern."
Diese Feststellung traf Landrat Armin Grein bei der Feier zum 25-jährigen Bestehen der
Verwaltungsgemeinschaft in der Erlenbacher Festhalle, zu der auch der ehemalige
Gründungs-Initiator, Altbürgermeister Georg Engelhardt aus Hafenlohr, sowie die
bisherigen Vorsitzenden und zahlreiche Ehrengäste und das Personal gekommen waren. Zur
Ausrichtung der Feier wurde die Winzergemeinde Erlenbach ausgewählt, da vor 25 Jahren die
Verwaltungsgemeinschaft (VG) Marktheidenfeld im Lehr-Saal des Feuerwehrgerätehauses
gegründet wurde.
Entstehung der Behörde
Erlenbachs Bürgermeister Paul Diener hieß als amtierender VG-Vorsitzender die vielen
Ehrengäste willkommen. Ein herzliches Willkommen ging an die "Gründungsväter"
der VG sowie an seine Vorgänger, die die Behörde zu einem hervorragenden
Dienstleistungsbetrieb entwickelt hätten. Dabei nannte er namentlich Georg Engelhardt
(Hafenlohr), Josef Liebler (Erlenbach), Günter Leifhelm (Rothenfels) und Helmut Hart
(Karbach): Genesungsgrüße richtete Diener an Josef Liebler, der wegen Krankheit an der
Feier nicht teilnehmen konnte.
Vorsitzender Diener erinnerte zunächst an die Entstehung der Verwaltungsgemeinschaften in
Bayern im Zuge der Gemeinde-Gebietsreform, die per Gesetz am 27. Juli 1971 beschlossen
wurde. Kleinere Kommunen hatten damals die Wahl, sich größeren Gemeinden anzuschließen
oder Verwaltungsgemeinschaften zu gründen. In dem heutigen VG-Bereich gab es damals noch
17 selbstständige Gemeinden, aus denen nach der Gebietsreform noch sieben übrig blieben,
die schließlich die VG Marktheidenfeld bilden. Es waren dies Birkenfeld, Billingshausen,
Bischbrunn, Oberndorf, Erlenbach, Tiefenthal, Esselbach, Kredenbach, Steinmark, Hafenlohr,
Windheim, Karbach, Roden, Ansbach, Rothenfels, Bergrothenfels und Urspringen.
Nach vielen und langwierigen Gesprächen, bei denen Bürgermeister Georg Engelhardt aus
Hafenlohr federführend gewirkt hatte, sei es am 1. Januar 1976 durch den freiwilligen
Zusammenschluss von Rothenfels, Karbach, Birkenfeld, Erlenbach, Esselbach und Hafenlohr
zur Bildung der VG gekommen. Zum 1. Juli des gleichen Jahres kam die Gemeinde Roden sowie
am 1. Mai 1978 die Gemeinden Bischbrunn und Urspringen dazu.
Dieser Zusammenschluss, so Diener, halte jetzt 25 Jahre und manche Höhen und Tiefen
wurden durchgestanden. Derzeit verwaltet die VG 16 130 Einwohner auf einer Fläche von 14
549 Hektar.
Diener erinnerte an die schwere Aufbauzeit der neuen Behörde. Aber auch die Bevölkerung
habe sich umgewöhnen müssen, denn ihr Rathaus war plötzlich nicht mehr zu jeder Zeit
besetzt und spezielle Angelegenheiten mussten bei der VG in Marktheidenfeld erledigt
werden.
Bei der Gründung, so der Vorsitzende, habe die Umlage pro Einwohner bei 51,80 Mark
gelegen. In diesem Jahr betrage diese 110,16 Mark. Damit sei die VG immer noch eine der
kostengünstigsten in ganz Bayern. In diesem Zusammenhang dankte Diener dem Personal, vor
allem den Personen, die mit echtem Pioniergeist wertvolle Schwerstarbeit beim VG-Aufbau
geleistet haben.
Paul Diener verschwieg auch nicht, dass es Mitgliedsgemeinden gab, die der Meinung waren,
dass die Serviceleistungen zu gering seien. Deshalb wollten einige eine kleinere VG
gründen. Letztendlich kamen alle wieder zu dem Ergebnis, dass man in der großen VG am
besten aufgehoben ist.
"Vor Ort die Richtlinien der Politik bestimmt"
Landrat Armin Grein
Die Verwaltungsgemeinschaft Marktheidenfeld, so Vorsitzender Paul Diener, stehe bei der
Bevölkerung nicht in der Kritik. Vielmehr sei die Bevölkerung mit der Arbeit voll
zufrieden. Ziel sei es aber nach wie vor, darauf hinzuarbeiten, dass die Arbeiten und der
Service für die Bürger weiter verbessert werden.
Als einen besonderen Meilenstein in der 25-jährigen VG-Geschichte bezeichnete Diener den
Kauf des früheren Landratsamtsgebäudes und Sitzes der VG für 1,44 Millionen Mark. Damit
wurde erstmals auch Grundbesitz und Vermögen für die VG angeschafft. Abschließend
stellte Diener fest, dass der menschliche Umgang untereinander erhalten werden muss, trotz
aller Technik und jeglichen Fortschritts müsse der menschliche Service das Markenzeichen
der VG bleiben.
Harmonisches Miteinander
Landrat Armin Grein bezeichnete die Verwaltungsgemeinschaft Marktheidenfeld als eine
"gemeinsame Schreibstube für ihre Mitgliedsgemeinden, an deren Selbstständigkeit
und Entscheidungsfreiheit sich dadurch nichts geändert habe. Darüber seien sich auch die
Bürgermeister der ersten Stunde, die späteren und heutigen stets einig. Einigkeit habe
jedoch auch stets dahingehend bestanden, dass man "vor Ort" in den Gemeinden
selbst die Richtlinien der kommunalen Politik bestimmt.
Die VG Marktheidenfeld habe in den vergangenen Jahren alle Aufgaben mit großer Bravour
gemeistert, so Grein. Die Mitgliedsgemeinden hätten gerade in diesen vergangenen Jahren
einen sagenhaften Aufschwung erlebt. So wurden Dorferneuerungsmaßnahmen durchgeführt,
die Wasserversorgungs- und Abwasserprobleme gelöst und in diesem Zusammenhang
Ergänzungsbeiträge erhoben. Es wurden Wohnbaugebiete und Gewerbegebiete erschlossen,
Ortsdurchfahrten ausgebaut und Ortsumgehungen errichtet. Die Abwicklung der dabei
anfallenden Arbeiten hätten die Bediensteten der VG stets gut gemeistert.
Landrat Grein freute sich vor allem auch darüber, dass von Anfang an sich der
Zusammenschluss der Gemeinden nicht nur auf die gemeinsame Verwaltung beschränkt habe,
sondern dass man bedacht gewesen sei, stets ein harmonisches, gut nachbarschaftliches
Verhältnis aufzubauen, was auch gelungen sei.
Abschließend dankte der Landrat vor allem den "Gründungsvätern" der VG
Marktheidenfeld, allen voran dem Altbürgermeister und Ehrenbürger Georg Engelhardt aus
Hafenlohr, der sich für die VG in der jetzigen Form bereits von Anfang an eingesetzt
habe. Er habe es verstanden, viele seiner damaligen Amtskollegen von diesem
Zusammenschluss zu überzeugen. |